Vom Strand auf die Leinwand
Giovanni Pazzafini, der zeitlebens nur Nello oder Nellone gerufen wurde, wurde am 15.05.1934 in Rom geboren. In seiner Jugend war ein guter Fußballspieler und begann nach dem Krieg am Strand von Ostia als Rettungsschwimmer zu arbeiten. Dort wurde er 1958 vom Regieassistenten Romolo Girolami entdeckt, als er gerade eine schwere Holzbank mit einer Hand anhob, um daraus eine behelfsmäßige Tür zu bauen. Kräftige Männer waren zu der Zeit im italienischen Kino sehr gefragt, denn es war die Zeit der sogenannten Muskel- und Sandalenfilme mit Helden wie Herkules, Maciste oder Samson. Girolami fragte ihn spontan, ob er sich vorstellen könne bei einem Film mitzumachen. Zwei Tage später befand Pazzafini sich am Set des Films "Aphrodite - Göttin der Liebe".
Es folgten in den weiteren Jahren viele weitere Auftritte in anderen Filmen des Genres, wie z.B. "Herkules, der Schrecken der Hunnen", "Kampf um Rom" oder "Der Kampf um Troja" und unzählige andere. Auch im Film Hannibal mit den jungen Schauspielern Bud Spencer und Terence Hill, war er zu Beginn seiner Karriere als Gladiator zu sehen. 1961 folgte ein Auftritt in "Der Koloss von Rhodos", dem Regiedebüt von Sergio Leone. Pazzafini drehte zu der Zeit gerade einen anderen Film, wurde in einer Drehpause rüber gerufen und drehte am anderen Set weiter. Zu Beginn war er in diesen Filmen nur einer von vielen muskulösen Statisten, aber er konnte sich gut bewegen, verletzungsfrei vom Pferd fallen und hatte zudem ein ausdrucksstarkes Gesicht. So wurden seine Rollen mit der Zeit größer.
Der wilde Westen
Die Blütezeit der Muskel- und Sandalenfilme ging Mitte der 60er-Jahre zu Ende, aber dafür boomte in Italien mittlerweile ein anderes Genre, das Schauspieler und Stuntmen wie Nello Pazzafini händeringend suchte: der Italowestern. Pazzafini fasste auch in diesem Genre sofort Fuß und wirkte in Filmen wie "Ein Loch im Dollar", "Adios Gringo", "Der Gehetzte der Sierra Madre" und vielen anderen mit, interessanterweise aber in keinem der Western mit Bud Spencer und Terence Hill. Wie viele italienische Schauspieler spielte auch Pazzafini dabei gelegentlich unter einem Pseudonym. So nannte er sich manchmal z.B. Red Carter oder auch Ted Carter.
Dafür kreuzte sich sein Weg sehr oft mit Giuliano Gemma, der zu einem Freund Pazzafinis wurde. Im Laufe ihrer Karrieren standen sie insgesamt 15mal zusammen vor der Kamera, das erste Mal 1959 in der Komödie "Mein schöner Ehemann", das letzte Mal 1985 in der Krimiserie "Capitano Maffei – Kunstdiebstähle". Neben Gemma hatte Pazzafini auch größere Rollen, in denen er mal nicht den Schurken spielte, wie zum Beispiel im Western "Tampeko" von 1966, in dem Pazzafini als Sergeant Pitt mit Hauptdarsteller Gemma auf gefährliche Mission geht oder auch in der Robin-Hood-Verfilmung "Der feurige Pfeil der Rache" von 1971 in der Gemma als Robin Hood und Pazzafini als sein Mitstreiter Little John zu sehen ist. Als Pazzafini 1996 starb, erwies Gemma ihm auf seiner Beerdigung die letzte Ehre.
Anfang der 70er-Jahre machte der Italowestern einen Wechsel durch. Er wandelte sich vom harten, teilweise sehr brutalen Western hin zur Westernkomödie, woran Bud Spencer und Terence Hill einen wesentlichen Anteil hatten. Pazzafini machte auch diesen Wandel mit, denn neben seinen akrobatischen Talenten, zeigte sich, dass er auch sehr witzig sein konnte. So war er beispielsweise gleich in drei der Spencer/Hill-Doppelgängerfilme mit Michael Coby und Paul Smith zu sehen, nämlich in "Vier Fäuste schlagen wieder zu", "Zwei irre Typen mit ihrem tollen Brummi" und "Vier Fäuste - hart wie Diamanten".
Nello als Partner Bud Spencers
Seinen ersten echten Auftritt an der Seite Bud Spencers hatte Nello Pazzafini 1973 in Sie nannten ihn Plattfuß. Hier ist er als Stuntman in der großen Prügelei im Kühlraum der Tunis mit dabei. Auch fünf Jahre später in Sie nannten ihn Mücke ist er nur kurz in der Spielhölle zu sehen. Erst 1982 in Banana Joe hat er seinen ersten markanten Auftritt neben Bud Spencer. Hier liefert er sich mit den Titelhelden zunächst ein rasantes LKW-Rennen und ist im weiteren Verlauf noch ein paar Mal als Schurke von Oberboss Torcillo zu sehen. Noch einprägsamer und lustiger ist aber seine Rolle als Schurke Don Tango in der 1984er-Komödie Vier Fäuste gegen Rio, in der er mehrfach auf höchst amüsante Art daran scheitert die beiden falschen Millionäre umzulegen. Einen letzten Auftritt an der Seite Bud Spencers hatte Pazzafini schließlich 1988 in der Episode Im Netz der Drogenmafia in der Serie Big Man, auch wieder als Bösewicht.
Karriereende
Wie bei vielen anderen Stars des italienischen Kinos, war es auch bei Pazzafini so, dass die Rollenangebote im Laufe der 80er-Jahre weniger wurden. Das italienische Kino verlor seine Vormachtstellung und wandelte sich. Er selbst kommentierte dies wie folgt: "Es hatte keinen Sinn mehr, sie riefen mich immer seltener an. Das Kino, das wir früher gemacht haben, gab es nicht mehr. Statt Fäusten und Pferden gab es nun amerikanische Effekte. Warum soll ich vom Pferd fallen, wenn die anderen Raumschiffe haben?"
Nello Pazzafini starb am 7. Januar 1996 im Alter von nur 61 Jahren an den Folgen von Diabetes. Im Laufe seiner Karriere hat er in über 200 Filmen mitgewirkt, die er zum Teil sogar parallel drehte. Der Regisseur Enzo G. Castellari sagte über ihn: "Wenn Pazzafini gebraucht wurde, schickte ich jemanden nach Ostia und fragte nach Nellone: wenige Stunden später war er am Set - immer freundlich und immer zu allem bereit".
Collegamenti esterni: Internet Movie Database
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